Inkontinenz

Was versteht man unter Harninkontinenz?

Unter Harninkontinenz versteht man den unfreiwilligen Verlust von Harn, der Betroffene kann Ort und Zeit der Entleerung nicht bestimmen. Gründe für eine Harninkontinenz können unterschiedlich sein. Meistens funktioniert das System von Blasenmuskulatur, Schließmuskel und Beckenbodenmuskulatur nicht mehr richtig. Inkontinenz resultiert dann, wenn der Verschlussapparat durch Blasenerkrankungen überlastet oder geschädigt ist.

Diese Art von Erkrankung bedarf einer individuellen Versorgung. Mit unserem vielfältigen Sortiment an Einlagen, Vorlagen, Windeln und Pants unterschiedlicher Hersteller können wir individuelle Lösungen abstimmen.
Zu ableitenden Inkontinenzprodukten wie Einmal- und Dauerkatheter, Urinalkondomen, Pessaren und Irrigationen führen wir eine diskrete Beratung im häuslichen Umfeld durch. Eine Schulung und den Umgang mit den Produkten bieten wir als Service an.

Welche Formen der Harninkontinenz gibt es?

Die Internationale Continence Society ((ICS) unterscheidet Harninkontinenz zwischen Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz), Dranginkontinenz, Reflexinkontinenz, Überlaufinkontinenz, Mischharninkontinenz, extraurethraler Inkontinenz und funktioneller Inkontinenz.

Was ist eine Belastungsinkontinenz?

Von einer Belastungsinkontinenz spricht man, wenn ein unwillkürlicher Harnverlust bei körperlichen Belastungen stattfindet. Durch Druckerhöhung im Bauchraum bei einer Beckenbodenschwäche wird die Harnröhre durch den inneren Schließmuskel  nicht komplett verschlossen. Von dieser Art der Blasenschwäche sind mehr Frauen als Männer betroffen. Die Zahl der betroffenen Frauen beläuft sich auf etwa 50% in der zweiten Lebenshälfte.

Wodurch entsteht eine Belastungsinkontinenz?

Ursachen dafür kann eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur z.B. nach Geburten oder eine Bindegewebsschwäche sein. Bei Männern kann es durch Folgen einer Operation oder einer Entfernung des inneren Schließmuskels durch fehlende Prostata.

Welche Symptome treten auf?

Symptome einer Belastungsinkontinenz liegen vor, wenn der Betroffene tröpfchenweise oder stark unwillkürlich Harn bei körperlicher Betätigung verliert ohne das Auftreten eines Harndrangs. Der Druck auf die Blase und die verschließenden Muskelringe wird erhöht, sie öffnen sich somit und Urin kann austreten.
Dabei wird zwischen drei Schweregraden unterschieden. Beim Grad I tritt Urin beim Husten, Niesen oder Lachen aus. Grad II beschreibt den unwillkürlichen Urinverlust beim Heben, Treppensteigen oder Aufstehen. Bei Grad III tritt Urin bei unangestrengten Bewegungen, wie z.B. beim Liegen, aus.
Der Arzt wird sich in einem Gespräch über bestehende Erkrankungen und Operationen erkundigen. Bei Frauen wird ein Augenmerk auf den Verlauf der Geburten gelegt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

In leichteren Fällen der Inkontinenz reichen konservative Therapien wie Beckenbodentraining aus. Dies kann durch Biofeedback und elektrische Stimulationsbehandlung unterstützt werden, die Beckenbodenmuskulatur wird weiter gestärkt und die Inkontinenz kann verbessert werden.
Eine medikamentöse Behandlung mit Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer kann ebenfalls eingesetzt werden.
Sollten konservative Behandlungsmöglichkeiten keine Besserung bringen, sind operative Maßnahmen notwendig. Diese verfolgen das Ziel, die Harnröhre an ihre physiologische Position zu bringen und ihr Absinken bei einem Druckanstieg zu verhindern. Offene Operationen werden heute im Gegensatz zu früher nicht mehr durchgeführt. Am häufigsten werden Polypropylen-Bänder verwendet, die sich durch die spezielle Struktur im Gewebe selbstständig festsetzen. Sie werden vor allem bei Frauen verwendet und  ohne Spannungen (engl. „tension-free“) unter die Harnröhre gelegt. Die Bänder werden als TVT („transvaginal tension-free tape“) bezeichnet und können bei einer Belastungsinkontinenz zu einer 80-90%igen langfristige Heilungsrate führen.
Bei einer leichten bis mittleren Belastungsinkontinenz können bei Männern, nach Entfernung der Prostata, unter der Harnröhre liegende Bänder verwendet. Liegt eine starke Belastungsinkontinenz vor, wird auf einen Einbau eines künstlichen Schließmuskels zurückgegriffen. Dieser Einbau gestaltet sich allerdings als teuer und bringt viele Komplikationen mit sich.

Was ist eine Dranginkontinenz?

Die Dranginkontinenz bezeichnet eine Überaktivität der Blasenmuskulatur ist von starkem Harndrang mit darauffolgendem unwillkürlichem Harnverlust begleitet. Die Blase ist nicht mehr in der Lage größere Mengen an Harn zu sammeln und zu speichern – trotz funktionierendem Verschlussmechanismus  der Harnröhre. Aus der Blase strömen Harndrang Reize, auf diese die Blasenmuskulatur reagiert. Die Rezeptoren, die die Füllung der Blase an das Gehirn melden, sind überempfindlich.

Welche Symptome treten auf?

Auch wenn die Blase erst gering gefüllt ist, tritt Harndrang auf. Das Gehirn leitet den Harndrang über die nicht beeinflussbaren Signale ein, der Betroffene kann den Harndrang nicht mehr kontrollieren.
Die leichtere Form der Dranginkontinenz bezeichnet man auch als Reizblase. Bei dieser Form lässt sich der Harndrang noch unterdrücken, der Betroffene muss jedoch öfters eine Toilette aufsuchen.

Wodurch entsteht eine Dranginkontinenz?

Auslöser können neurologische Erkrankungen wie z.B. Apoplexie, Demenz, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Diabetes oder Epilepsie sein. Auch Minderdurchblutung, degenerative Erkrankungen, Gehirntumore, reaktive Hypertrophie, Blasensteine oder -tumoren, Bestrahlung oder Harnwegsinfektionen können zu einer Dranginkontinenz führen.

Was ist eine Reflexinkontinenz?

Bei einer Reflexinkontinenz, auch neurogene Inkontinenz genannt, sind die Nerven für die Blasenentleerung gestört. Dies trägt oftmals einen hohen Blasendruck mit sich. Der Betroffene hat keine Kontrolle über den Harnverlust, da eine teilweise oder komplette Fehlsteuerung von Harnblase und Schließmuskel vorliegt. Die Harnblase entleert sich nicht vollständig und Restharn bleibt zurück.
Bei einem zu hohen Druck über längere Zeit kann es zu einer Nierenschädigung kommen.

Wodurch entsteht eine Reflexinkontinenz?

Eine Reflexinkontinenz kann durch eine Unterbrechung der Nervenbahnen bei Schädigungen des Rückenmarks oder Querschnittslähmungen, Rückenmarktumoren, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson entstehen.

Welche Symptome treten auf?

Durch die Schädigung der Nervenbahn merkt der Betroffene die Füllung der Blase nicht. Die Blase entleert sich als unwillkürlicher Reflex, in manchen Fällen auch durch einen Reiz wie Husten oder Lageänderung.

Was ist eine Überlaufinkontinenz?

Unter dem Begriff der Überlaufinkontinenz versteht man eine Überdehnung des Blasenmuskels durch vermehrten Urin in der Blase. Dies führt zum Überlaufen der Blase und  damit zum unwillkürlichen  Verlust von kleineren Harnmengen. Der Grund für eine Überlaufinkontinenz  sind Abflussstörungen  im Bereich des Harnblasenausgangs wie z.B. eine vergrößerte Prostata oder eine Unterfunktion der Blase. Im fortgeschrittenen Alter leiden Männer häufig an einer vergrößerten Prostata. Diese kann den Blasenausgang verengen oder versperren. Daher sind meist Männer betroffen.

Wodurch entsteht eine Überlaufinkontinenz?

Wenn die Überlaufinkontinenz unbehandelt bleibt, kann sie zu funktionellen und strukturellen Schäden des unteren und oberen Harntraktes führen. Es kann außerdem zu einem Rückstau des Urins in die Harnleiter und Nieren kommen, wodurch das Risiko einer Niereninsuffizienz (Funktionsverlust der Nieren) steigt.  Außerdem kann es für den Betroffenen schmerzhaft sein, wenn eine gefüllte Blase nicht abläuft.
Eine Überlaufinkontinenz kann durch eine altersbedingte vergrößerte Prostata, Blasensteine, eine Verengung der Harnröhre oder Bandscheibenvorfälle entstehen. Bei Frauen können außerdem eine abgesenkte Gebärmutter oder ein gynäkologischer Tumor eine Ursache für diese Form von Inkontinenz sein.  Bei beiden Geschlechtern können außerdem Bandscheibenvorfälle oder Tumore der Harnröhre, Harnblase oder den Organen im Unterleib zugrunde liegen.
Eine Muskelschwäche kann ebenfalls eine Ursache sein, die durch Nervenschädigungen z.B. bei Diabetes auftritt. Medikamente wie Anticholinergika, Antidepressiva oder Blutdrucksenker können den Destrusormuskel (Austreiber der Harnblase) beeinflussen und zu einer Restharnbildung führen.

Welche Symptome treten auf?

Typische Symptome sind Beschwerden beim Entleeren der Blase. Am Anfang treten ein verlängertes Blasenentleeren, ein schwächerer Urinstrahl und ein Harnträufeln nach dem Harnlassen auf. Betroffene spüren einen starken Harndrang und schaffen es nicht, die Blase komplett zu entleeren. Der Harn läuft daher tröpfchenweise aus dem Körper, dem Betroffenen gelingt es nicht seinen Harnverlust zu kontrollieren. Das Tröpfeln wird durch Druck auf den Unterbauch verstärkt.
Es müssen später alle zwei bis drei Stunden kleine Mengen an Harn entleert werden, das Gefühl einer gefüllten Blase bleibt aber erhalten.
Sobald sich die ersten Symptome bemerkbar machen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Es ist wichtig, zu wissen, welche Ursache zu der Überlaufinkontinenz geführt hat. Nur so kann eine abgestimmte Behandlung durchgeführt werden.

Was ist eine Mischharninkontinenz?

Die Mischinkontinenz ist eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Die Beschwerden der beiden Formen sind verschieden ausgeprägt. Der Betroffene verliert bei körperlicher Belastung, Niesen oder Husten unwillkürlich Harn. Der Harnverlust tritt mit starkem und einem kaum unterdrückbaren Harndrang auf. Ungefähr ein Drittel aller Frauen mit Blasenschwäche sind von einer Mischharninkontinenz betroffen.

Wodurch entsteht eine Mischharninkontinenz?

Zu einer Mischharninkontinenz können die Ursachen einer Belastungs- oder einer Dranginkontinenz führen. In den meisten Fällen besteht bereits eine der beiden Formen, bevor die andere Form dazukommt.

Was ist eine extraurethrale Inkontinenz?

Die extraurethrale Inkontinenz ist eine seltene Form der Inkontinenz. Der Harnabgang erfolgt durch andere Körperöffnungen und nicht auf normalen Weg durch die Harnleiter. Dadurch kommt es zu ständigen und unwillkürlichen Harnverlust, der Blasenschließmuskel und die Speicherfunktion der Blase sind jedoch nicht beeinträchtigt. Der Betroffene kann seine Blase aber auf natürlichem Wege entleeren.

Wodurch entsteht eine extraurethrale Inkontinenz?

Sie entsteht im Allgemeinen durch angeborene oder erworbene Fehlbildungen. Wenn die extraurethrale Inkontinenz angeboren ist, kann sie durch fehlmündende Harnleiter oder durch eine falsche Anlage der Harnröhre entstanden sein.
Tritt sie erst später auf, hat sich eine Fistel zwischen den ableitenden Harnwegen und den Geschlechtsorganen gebildet. Ursachen können Tumorerkrankungen, Folgen von Bestrahlungen oder Verletzungen sein. Tumorerkrankungen erfordern eine aufwendige gynäkologische Operation.

Als Fisteln bezeichnet man unnatürliche, röhrenartige Gänge, die Organe miteinander oder mit der Körperfläche verbinden. Sie können durch Darmrisse bei der Geburt, chronischen Darmerkrankungen oder Abzessen entstehen. Betroffene leiden häufig unter Absonderungen von Blut, Harn oder anderen Flüssigkeiten. Es kann auch zu Schwellungen oder Rötungen und Überwärmungen des Gewebes können auftreten.

Was ist eine funktionelle Inkontinenz?

Bei der funktionellen Inkontinenz steht der unwillkürliche Urinverlust nicht in Verbindung mit der Blasenfunktion. Diese Form der Inkontinenz basiert daher nicht auf körperlichen Ursachen, die den unfreiwilligen Harnverlust auslösen. Der Betroffene ist also nicht aufgrund Funktionsstörungen der Blase oder der Nerven inkontinent, sondern durch anderweitige Einschränkungen.
Die funktionelle Inkontinenz ist besonders in der Pflege relevant. Vielen pflegebedürftigen Menschen ist es nicht mehr möglich, das Bett zu verlassen, da körperliche Erkrankungen vorliegen.
Der Betroffene kann oftmals die Toilette nicht alleine erreichen, er schafft es entweder nicht schnell genug oder findet den Weg zur Toilette aufgrund von Demenz nicht mehr. Manche Betroffene vergessen auch, die Kleidung zu entfernen oder verbinden Harndrang nicht mit einem Toilettengang.

Wodurch entsteht eine funktionelle Inkontinenz?

Die Betroffenen haben Kontrolle über den Harndrang, jedoch können andere Faktoren wie z.B. eine eingeschränkte Kognition und/oder Mobilität, Orientierungsschwierigkeiten den Toilettengang erschweren bzw. verhindern. Außerdem kann ein Zusammenhang mit einer überaktiven Blase (Dranginkontinenz) oder einem Miktionsaufschub, also ein Aufschieben der Entleerung der Harnblase, bestehen.
Die Ausstattung der Räumlichkeiten spielt eine große Rolle: Mangelnde Beleuchtung oder zu niedrige, zu kalte oder unhygienische Toiletten entsprechen nicht den Bedürfnissen des Betroffenen.

Welche Messinstrumente gibt es?

Eine der wichtigsten Messinstrumente sind das Miktionsprotokoll (Blasenentleerungsprotokoll), 24-Stunden-Vorlagentest und der Ein-Stunden Pad-Test.

Das Miktionsprotokoll (Miktion: Entleerung der Harnblase) ist ein hilfreiches Instrument für das Messen und wird mittels zwei verschiedener Wege genutzt.
Zum einen wird das Protokoll zur Aufzeichnung der Flüssigkeitsausscheidungen (mindestens drei bis fünf Tage) verwendet. Eingetragen werden Gewohnheiten der Blasenentleerung, die Menge an Ausscheidung sowie die Flüssigkeitszufuhr. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist gerade bei älteren Menschen für eine gesunde Ernährung wichtig. Ein Mangel an Flüssigkeit kann zu Verwirrtheit oder Fehlfunktionen im Stoffwechsel führen.
Die Aufzeichnungen können bei einer genauen Diagnose helfen  und dienen als Basis für einen eventuell benötigten Blasenentleerungsplan.
Zum anderen kann ein Miktionsprotokoll während der Behandlung genutzt werden, um zu überprüfen, ob die verwendete Therapie wirkt.
Im Protokoll sollten Informationen wie die Menge und Uhrzeit der Flüssigkeitszufuhr, ob ein Harndrang verspürt wurde, die exakte Harnmenge und die Form des Harnverlusts enthalten sein.
Die Trinkmenge wird in ml gemessen und eingetragen. Gemessen werden kann entweder mit einem Becher mit Mess-Skala oder es können Angaben wie „halbe Tasse“ in das Protokoll eingetragen werden. Beim Verspüren von Harndrang wird eingetragen, ob vor dem Urinieren ein Drang zu verspüren war. Zum Messen der Harnmenge kann ein Messbecher nützlich sein. Dieser kann in den ersten Tagen als Orientierungshilfe genutzt werden, in den darauffolgenden Tagen kann man sich an die Menge richten. Der Urinverlust wird ebenfalls eingetragen. Dabei wird kontrolliert, wie feucht die Wäsche oder das Inkontinenzmaterial ist.

Mit Hilfe des 24-Stunden-Pad-Tests wird die Harnmenge ermittelt. Die Gewichtsdifferenz  einer Inkontinenzeinlage vor und nach einem Test wird über einen Zeitraum von 24 Stunden ermittelt. In dieser Zeit werden alle getragenen Einlagen gesammelt und nach Ende der Zeit gewogen und anschließend mit dem Gewicht derselben Anzahl an trockenen Einlagen verglichen.
Wenn ein Differenzwert von vier bis acht Gramm und mehr ist der Test positiv und eine Harninkontinenz liegt vor.

Bei einem Ein-Stunden Pad Test werden innerhalb von einer Stunde  verschiedene Übungen durchgeführt, die einen Harnverlust herbeiführen sollen. Dafür wird eine Einlage ausgewählt, die eine große Menge an Harn aufnehmen kann. Die trockene Einlage wird dann präzise gewogen. Im Anschluss daran werden verschiedene Stationen durchlaufen. Innerhalb von 15 Minuten soll der Patient 500 ml Flüssigkeit zu sich nehmen, dann wird die Inkontinenzeinlage eingelegt. In weiteren 15 Minuten wird der Patient gebeten zu gehen und eine Treppe hinauf und hinab zu steigen. Innerhalb der nächsten halben Stunde soll der Patient zehn Mal aufstehen und sich hinsetzen, zehn Mal kräftig husten, 1 Minute am Platz joggen und sich fünf Mal zum Boden beugen und Gegenstände aufheben. Nach den kompletten 60 Minuten wird die Einlage entnommen und abgewogen. Die Menge des Urinverlusts errechnet sich aus der Gewichtsdifferenz der Einlage nach dem Test im Gegensatz zur trockenen Einlagen.
Die Milliliter Anzahl, die innerhalb der 60 Minuten aufgenommen wurden, wird anschließend einem Schweregrad zugeordnet. Bis 10 ml Harnverlust liegt eine sporadische Inkontinenz vor, bei 10 bis 25 ml eine belastende Inkontinenz, bei 25 bis 50 ml eine schwere Inkontinenz, bei mehr als 50 ml liegt eine absolute Inkontinenz vor.

Welche Trainingsprogramme gibt es?

Bei einer Inkontinenz werden verschiedene Trainingsprogramme empfohlen: Blasentraining, Toilettentraining, Double-/Triple-Voiding und Beckenbodentraining.
Diese Trainingsprogramme verfolgen das Ziel, die Inkontinenz durch Veränderung des Ausscheidungsverhältnisses zu erreichen. Das jeweilige Training ist abhängig von der Inkontinenzform, den beeinflussenden Faktoren sowie den geistigen und körperlichen Fähigkeiten.

Wie funktioniert das Training der Blase?

Das Blasentraining kann zu einer besseren Kontrolle über die Blase führen. Die Zeitspannen zwischen den Entleerungen sollen langfristig wieder erhöht werden, angestrebt werden drei bis vier Stunden. Meistens ist es für den Patienten nicht leicht, den Harndrang zu unterdrücken, da das Verhalten sich oftmals über Jahre hinweg gezogen hat. Die Blase gewöhnt sich an die längeren Intervalle und dadurch kann der Harndrang erst später entstehen. Durch gezieltes Training wird die Blasenkapazität gesteigert und der Patient erlangt mehr Kontrolle über seinen Körper.
Blasentraining wird bei Mischinkontinenz und Harndrang eingesetzt. Wichtig ist, dass der Patient mobil ist und kognitiv dazu fähig ist, das richtige Entleerungsverhalten zu lernen.

Wie funktioniert das Toilettentraining?

Beim Toilettentraining wird der optimale Zeitpunkt für die Blasenentleerung ermittelt, um beim richtigen Zeitpunkt zur Toilette zu gehen. Durch geplante Toilettengänge wird ein Rhythmus erreicht,  der sich nach der Uhrzeit richtet. Der Patient sollte auf die Toilette gehen, bevor der Harndrang einsetzt. Damit wird ein plötzlicher Harnverlust durch rechtzeitiges Entleeren der Blase vermieden.
Toilettentraining ist bei Dranginkontinenz die richtige Wahl, da oftmals ein falsches Verhalten im Bereich der Blasenentleerung vorliegt. Die Patienten gehen sicherheitshalber besonders oft auf die Toilette. An das Gehirn werden bereits Signale gesendet, wenn die Blase wenig gefüllt ist.
Als Basis für das Toilettentraining kann ein Miktionsprotokoll (siehe oben) verwendet werden, da mit Hilfe des Protokolls ein fester Zeitplan zur Entleerung der Blase aufgesetzt wird.
Es gibt zwei Einzelmaßnahmen des Toilettentrainings. Bei festgelegten Entleerungszeiten erhält der Patient einen festen Plan mit Entleerungszeiten, den er selbstständig überwacht.
Der Patient kann oftmals durch eine eingeschränkte Mobilität oder durch eine Demenzerkrankung die Toilette nicht allein aufsuchen. In diesen Fällen ist eine Pflegekraft nötig, die den Patienten an die Entleerungszeit erinnert und Daten in das Miktionsprotokoll einträgt. Jedoch muss der Patient sehr diszipliniert sein, außerdem sollte zu dem genauen Zeitpunkt eine Toilette in der Nähe sein. Diese Maßnahme wird als angeleitete Entleerung bezeichnet.
Der Erfolg macht sich relativ schnell bemerkbar, hängt aber von der konsequenten Einhaltung der regelmäßigen Entleerungszeiten ab. Wird der Patient kontinent, erhöht sich der Zeitraum zwischen den Toilettengängen.

Wie funktioniert Beckenbodentraining?

Der Beckenboden schließt den Bauchraum nach unten ab und bildet eine Schlinge um die Becken- und Bauchorgane um diese zu halten. Auf dem Beckenboden lastet ständig Druck, den nur ein stabiler Beckenboden halten kann.
Er öffnet die Harnröhre beim Urinieren und verschließt sie wieder. Damit die Harnröhre sich nicht z.B. beim Lachen oder Husten öffnet, muss auch hier der Beckenboden kräftig sein.
Nach Geburten, mit höherem Alter, durch verringerte Aktivitäten und Übergewicht verlieren die Muskeln an Elastizität. Dies führt zu einem Absinken der Beckenorgane sowie einem schwächeren Harnröhrenschließmuskel.  Durch Übungen und gezieltes Training kann die Elastizität wiederhergestellt bzw. verstärkt werden.
Allgemein sollte Beckenbodentraining nur mit Hilfe von fachlichem Personal ausgeübt werden. Relevant ist das Einüben von Bewegungen, die man im Alltag durchführt. Krummes Sitzen oder falsches Bücken belasten den Beckenboden unnötig. Um eine Belastung zu vermeiden, sollten die Patienten beim Husten nach oben schauen oder über die Schulter abhusten. Das führt zu einer aufrechten Wirbelsäule und der Hustendruck wird nicht direkt auf Darm und Blase weitergeleitet. Beckenbodentraining wird bei Frauen mit Belastungsinkontinenz oder nach mehreren Operationen angewendet. Bei Männern kommt das Training nach einer Prostataoperation zum Einsatz. Auch bei Dranginkontinenz kann Beckenbodentraining hilfreich sein. Geübt sollte vor allem in der aufrechten Körperhaltung, da der Beckenboden meist dort aktiv ist.

Welches Hilfsmittel kann beim Beckenbodentraining verwendet werden?

Zur Unterstützung des Beckenbodentrainings können Vaginalkonen eingesetzt werden, die in verschiedenen Gewichten erhältlich sind und aus Kunststoff bestehen. Die Patientin spannt die Beckenbodenmuskulatur an, da sich der Kegel anfühlt, als würde er wieder hinausfallen.
Für das Training wird der Kegel zwei Mal täglich für 10 Minuten eingesetzt, die Patientin kann ihre Tätigkeiten im Alltag normal weiterführen. Ein regelmäßiges Training kann dazu führen, dass sich die Inkontinenz um 60% verbessert.

 

Funktionell-anatomischen Hilfsmittel

Welche funktionellen anatomischen Hilfsmittel gibt es?

Für die richtige Produktauswahl stehen unsere examinierten Fachkräfte zur Verfügung, die eine individuelle Lösung abstimmen. Unter anderem beraten wir im Bereich der funktionellen, anatomischen Hilfsmittel für Frauen. Dazu zählen Vaginal-, Ring- und Würfelpessare, Vaginaltampons und Harnröhrenstöpsel (Urethralstöpsel).

Was ist ein Pessar?

Wenn eine abgeknickte Harnröhre für die Inkontinenz und die damit verbundenen Beschwerden verantwortlich ist, kann ein Pessar helfen. Sie haben die Aufgabe, die gesenkte Harnröhre bzw. Gebärmutter anzuheben.
Die Pessare setzen sich entweder aus Silikon oder Schaumstoffmaterial zusammen und sind in verschiedenen Formen und Größen erhältlich. Häufig werden sie bei Belastungsinkontinenz eingesetzt. Der Gynäkologe passt das Pessar individuell an und erklärt das Einlegen und Entfernen, sodass die Patientin dies selbstständig durchführen kann.
Getragen werden die Pessare bei speziellen Tätigkeiten oder über einen längeren Zeitraum.
Ringpessare werden häufig verwendet und finden ihren Einsatz bei Belastungsinkontinenz, Senkungs- und Harnröhrenbeschwerden. Sie liegen unter dem Blasenhals, und werden maximal 29 Tage getragen. Anschließend werden sie gereinigt und dann erneut verwendet.
Bei Beschwerden aufgrund der Senkung von Gebärmutter, der Blase oder des Darmes werden Würfelpessare eingesetzt. Da sie an der Schleimhaut haften, halten sie auch bei einem schwachen Beckenboden.  Die Pessare können mit Beckenbodentraining kombiniert werden, daher kann nach einigen Monaten eine Besserung der Senkung zu spüren sein.

Was ist ein Vaginaltampon?

Patientinnen mit einer leichten Belastungsinkontinenz können auf Vaginaltampons zurückgreifen, die auch unterstützend zum Beckenbodentraining genutzt werden.  Die Tampons bestehen aus Polyurethanschaumstoff und stützen den Blasenhals, dadurch ist der Verschluss der Blase gesichert und die Beckenbodenmuskulatur wird unterstützt. Die Größe wird individuell vom Gynäkologen angepasst.

Was ist ein Harnröhren- bzw. Urethralstöpsel?

Als Harnröhrenstöpsel bezeichnet man kleine, tamponartige Instrumente. Bei dem Stöpsel handelt es sich um einen weichen Ballon, welcher aus Silikon besteht und mit Gel gefüllt ist. Mit einem Applikationsstab wird er in die Harnröhre eingeführt. Wenn der individuell angepasste Stöpsel komplett eingeführt ist, wird der Stab herausgezogen und das Gel dehnt sich aus. Dadurch wird verhindert, dass der Ballon herausrutscht und die Harnröhre wird gleichzeitig verschlossen. Ein unwillkürlicher Harnabgang wird damit vermieden. Der Stöpsel wird einmal verwendet und muss beim Urinieren entfernt werden.

 

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